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Merkblatt: Bergpredigt (die große Rede, die Gemeinschaft fördern soll)

 

Verfasser: Der Verfasser der Bergpredigt ist Matthäus. Er hat aus Worten Jesu die Predigt am Berg zusammengestellt. Er greift auf die Tradition der Logienquelle zurück, deren Version wir im Lukasevangelium als Feldrede überliefert bekommen haben. Warum „Berg“? Der Berg ist traditionelle Offenbarungsort Gottes – beachte Moses bekommt die 10 Gebote auf dem Berg Sinai

 

Aufbau: Die Bergpredigt ist kunstvoll aufgebaut. Sie beginnt mit den Seligpreisungen, in denen den Menschen die Nähe Gottes zugesprochen wird, die naturgemäß als Minderwertig angesehen wurden: Trauernde, Ohnmächtige, die sich nach Frieden sehnen usw. Diese werden im weiteren Verlauf auch als Licht der Welt und Salz der Erde bezeichnet. Die Bergpredigt macht Menschen, die sozial an unterster Stufe stehen, ganz groß. Sie sind Licht und Salz, das heißt, ihretwegen gibt es Helligkeit (nicht wegen den Herrschern) und ihretwegen wird die Welt erhalten (Salz). Jesus, so sieht es Matthäus, spricht den Menschen erst Größe zu – und dann können sie den Forderungen Gottes nachkommen. Der Imperativ folgt dem Indikativ. Das heißt nicht: Du bist „groß“, weil du die Forderungen erfüllst, sondern Gott sieht dich als „groß“ an, darum kannst du sie erfüllen. Und diese Menschen sind es auch, die das immer gültige Gebot Gottes besonders bewahren: Die Verschärfung bzw. wahre Interpretation des alttestamentlichen Gebotes durch Jesus.

Dieses Gebot wird in den Antithesen dargelegt:

1.      Du sollst nicht töten -> du sollst den anderen nicht mit Worten erniedrigen und dich versöhnen. Versöhnung geht über das korrekt vollzogene Opfer für Gott.

2.      Du sollst nicht die Ehe brechen -> du sollst eine Frau nicht begierig ansehen bzw. mit der Hand bedrängen. Das ist schlimmer als mit versehrtem Körper leben zu müssen. Ehebruch zerstört die Gemeinschaft.

3.      Du sollst bei der Scheidung einer Frau die Trennungsurkunde geben -> Du sollst nicht die Ehe scheiden, die Frau nicht wegschicken, sie erniedrigen, einer schlimmen Zukunft aussetzen. (Im Hintergrund: Mann und Frau sind ein Leib. Scheidung zerstört die Gemeinschaft, die vor Gott gilt.)

4.      Du sollst nicht einen Meineid schwören -> ihr sollt überhaupt nicht schwören. Ihr könnt Gott nicht beherrschen, zu eurem Diener machen. Und: Euer Wort sei vertrauenswürdig. Seid selbst gemeinschaftsfähig, auch ohne Gott in eure Angelegenheiten herabzuziehen.

5.      Ihr sollt in Maßen vergelten -> ihr sollt euch überhaupt nicht wehren und mehr geben, als von euch erwartet wird. (Dadurch erweisen sich diejenigen, die verachtet werden, als stärker - denn nur Sklaven werden aufgefordert, eine Meile weit das Gepäck der römischen Besatzer zu schleppen,  nur Menschen, die als Sklaven angesehen werden, werden verächtlich mit dem Handrücken der rechten Hand geschlagen - und durch diese Verhaltensweise erweist ihr euch als stärker, erweist ihr euch überraschend als die Starken.)  

6.      Ihr sollt die Feinde hassen -> ihr sollt die Feinde lieben, wie Gott alle Menschen liebt, damit seid ihr vollkommen wie Gott. Der Mensch wird im Grunde dazu aufgefordert, über sich hinauszuwachsen und das zu tun, was eigentlich unmenschlich ist: Vollkommen zu werden wie Gott.

 

Dem folgen Hinweise zum richtigen Gottesdienst: (a) aus echter Gesinnung Notleidenden geben, nicht, um Ansehen zu gewinnen; (b) Leise beten, nicht um anzugeben – Vaterunser = Mitte der Bergpredigt, mit Betonung der Vergebung (denn wir können die Antithesen nicht erfüllen – wir sind auf Gottes Vergebung angewiesen); (c) richtiges Fasten – auch ohne anzugeben; (d) Gott muss an erster Stelle stehen (nicht der Reichtum, nicht das Sorgen) – Gott gilt es zu vertrauen.

Es folgen einzelne Anweisungen mit Blick auf die Bergpredigt: Es geht nicht darum, zu sagen, der andere hält sich aber nicht daran, sondern man muss auf sich achten, ob man selbst das Geforderte tut (Selbstkritik). Um das Geforderte tun zu können, muss man beten, Gott schenkt es; und um das Gebot Gottes möglichst wenig verwirrend zusammenzufassen, wird es in der Goldenen Regel wiedergegeben: Man soll dem anderen das tun, was man von ihm getan haben möchte. Es ist wichtig, diesen harten Weg zu gehen, nicht den lockeren Weg (Zwei Wege). Und es gibt falsche Propheten, die zum lockeren Weg verführen wollen und solche, die fromme Schwätzer sind, die vorgeben, den richtigen Weg zu gehen, aber doch nur ihren eigenen Vorstellungen folgen. Wer sich jedoch an die Worte der Bergpredigt hält, dessen Fundament wird Bestand haben.

 

Verständnis: Während die alttestamentlichen Propheten sagen: „So spricht Gott“ – sagt Jesus: „Ich aber sage euch“. Damit wird das Selbstverständnis Jesu deutlich, der sich in einer ganz besonderen Weise als Sprachrohr Gottes sieht. Jesus Christus hat sich als Sohn Gottes erwiesen, als der gültige Interpret der Gebote Gottes. So glaubt die christliche Gemeinde. Gott ist Schöpfer – und Erhalter der Schöpfung. Weil Gott der Erhalter ist, sorgt er sich auch um das gute/soziale Miteinander der Menschen. Was verhindert das Zusammenleben, die Gemeinschaft? Ungerechtigkeit, Lieblosigkeit, dass man einander nicht vergibt, aus Sorgen und Arroganz nur um sich selbst kreist, andere erniedrigt, der Spirale der Gewalt folgt... Damit das soziale Zusammenleben klappt, damit, dass wahre Gemeinschaft die Menschen bestimmt, fordert Gott, dass man einer neuen Gesinnung / einer neuen Gerechtigkeit folgt – eben die, die die Bergpredigt als Maßstab vorgibt.

 

Legitimation: Wer sagt, dass das wirklich Gottes Forderungen sind und nicht nur die des Matthäus?

Im Kern handelt es sich um Forderungen Jesu, der von der christlichen Gemeinde als der von Gott auferweckte Christus geglaubt wird. Der auferweckte Jesus Christus schenkt seinen Nachfolgerinnen und Nachfolgern den Heiligen Geist. Der Heilige Geist = Gott in uns Menschen. Dieser sagte durch die Akzeptanz, die die Bergpredigt erfahren hat, Jahrtausende hindurch – weltweit ! –, dass die Bergpredigt der Maßstab ist, an dem sich Christen zu halten haben, dass Gott hier spricht. Zudem erkennen wir auch, dass von Buddhisten und Hindus, die sich mit dem Thema beschäftigen, die Bergpredigt als Weltweisheit anerkannt wird. Das entspricht dem christlichen Glauben, dass Gott als Erhalter der Welt, auch den anderen Völkern Gottesahnung geschenkt hat und Ahnung davon, was richtiges Handeln ist. S. http://www.evangelische-religion.de/christliche-ethik.html

Deutlich wird am Umgang Jesu mit den alttestamentlichen Geboten, dass kein sklavisches Festhalten richtig ist, sondern selbstverantwortetes Tun. Die Bergpredigt geht nicht auf sämtliche ethische Fragen ein, sondern nur auf ein paar ausgewählte Fragen, damit der Mensch sensibel wird für den anderen und aus der Sensibilität lernt, sich anderen Menschen gegenüber angemessen zu verhalten. Das ganz besondere Verhältnis Jesu zu Gott (Abba/Vater) färbt auf die Glaubenden ab. Wie Jesus ein ganz besonderes Verhältnis zu Gott hatte, so dürfen sie es auch haben bzw. haben es.

Es geht nicht um Priester, Könige, Propheten, denen traditionsgemäß ein enges Verhältnis zu Gott zugesprochen wird, es geht um die Traurigen, diejenigen, die sich klein fühlen, Sehnsucht haben nach Gerechtigkeit und Frieden, den Verstümmelten, den vom Leben Benachteiligten! Gott hat andere Maßstäbe zur Beurteilung der Menschen, als Menschen sie entwickelt haben.

 

Bedeutung: Die Bergpredigt ist von immenser Bedeutung für die Menschen - und das in Annahme und gleichzeitiger Ablehnung. Das darum, weil wir denken: Wenn alle so handeln würden, dann muss es klappen, mit dem Zusammenleben - doch wer kann das schon tun? Die Drastik, die Forderungen schrecken ab: Das kann doch wirklich niemand von uns Menschen verlangen - und gleichzeitig die Sehnsucht: Wenn wir es doch umsetzen könnten! Diese Spannung hält uns in Bewegung, ist immer Herausforderung.

 

Schluss: Matthäus zeigt in der Nachfolge Jesu dem Menschen, dass er nicht in seiner Unfähigkeit verharren muss. Er muss den anderen nicht erniedrigen, ihn beschimpfen, ihn mit seinem Zorn überschütten, er muss sich nicht rächen und in seiner Selbstsucht und Anerkennungssucht verharren. Er muss auch nicht in seinen Sorgen aufgehen. Auch seine Trauer ist nicht das Letzte. Gott traut dem Menschen zu, über den Ist-Zustand hinauszusehen und auch hinauszugehen. Und das ist das Wunderbare: Gott traut uns zu, über uns hinauszugehen, auszubrechen aus unserer Schuldknechtschaft. Und weil Gott uns das zutraut, können wir es auch tun.

 

 


wf@evangelische-religion.de